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Im Interview beim 9. Heidelberger Forum Gesundheitsversorgung sprach Sven Preusker, Redakteur der KTM Krankenhaus Technik + Management, mit Roland Engehausen, Geschäftsführer Bayerische Krankenhausgesellschaft e. V., über die aktuell sehr herausfordernde Lage der Krankenhäuser.
Im Fokus standen dabei vor allem Fragen zur Finanzierung: „Dass jetzt über Kosteneinsparungen im Krankenhaus gesprochen wird, ist für die Kliniken insofern verwunderlich, weil wir die ganze Zeit darauf hingewiesen haben, dass die Kosten steigen“, so Engehausen. Im Interview sprach der Geschäftsführer unter anderem, über die Auswirkungen, die die Einsparungen in Zukunft haben werden, benötigte Maßnahmen sowie über seinen größten Wunsch an die Bundespolitik.
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Preusker: Herr Engehausen, die Krankenhäuser haben ja gerade mächtig was zu schlucken: Erst das KHVVG, dann das KHG, mit dem das Ganze eigentlich so richtig losgehen sollte und jetzt schießt das BMG mit dem GKV Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz noch mal schnell ein schönes Kostenspargesetz hinterher. Ja, die Krankenhauskosten sind gestiegen, fast 10 % im letzten Erhebungszeitraum. Aber was sind denn eigentlich die größten Kostentreiber in den Krankenhäusern?
Engehausen: Dass jetzt über Kosteneinsparungen im Krankenhaus gesprochen wird, ist natürlich insofern für die Kliniken verwunderlich, weil wir die ganze Zeit darauf hingewiesen haben, dass die Kosten durch die Krankenhausreform, die Strukturvorgaben, durch Pflegepersonaluntergrenzen, andere Vorgaben, etc. steigen. Wir haben dazu auch explosionsartige Kosten durch innovative Arzneimittel, die ja auch über die Krankenhäuser verabreicht werden. Diese werden bei uns gebucht, machen damit auch das Krankenhausausgabebudget teurer, aber sind natürlich Arzneimittel.
Und genau an diesen drei Punkten müssen wir arbeiten. Wir müssen hinterfragen, wie wir günstiger im Krankenhaus behandeln können, wenn Sanktionen wieder wegfallen, wenn die Kliniken wieder mehr Beinfreiheit haben. Und wir müssen auch darüber nachdenken, wie wir mit mehr Fokus auf Ergebnisqualität statt auf Prozessqualität arbeiten können. Denn Prozessqualität verbessert nicht unmittelbar die Qualität, macht sie aber auf jeden Fall teuer. Und auf die Arzneimittel müssen wir, wie gesagt, auch insgesamt schauen, weil das ist nicht der Zweck eines Krankenhausbetrieb, teure Arzneimittel abzugeben.
Preusker: Dass die Pharmaindustrie an dieser Stelle mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz eigentlich doch ziemlich ausgespart wird, war ja auch eine häufige Beschwerde. Die Pharmaindustrie hingegen behauptet, dass das gar nicht so sei.
Engehausen: Die Pharmaindustrie setzt Deutschland und auch Europa insgesamt unter Druck, aufgrund der Erlöskürzungen in den USA, die sie in Europa refinanziert haben wollen. Und wenn sie das nicht bekommen, wäre ihre etwas trumpistische Antwort: „Dann gehen wir aus diesem Markt raus.“ Das ist unfair und ich halte das auch nicht für belegbar, weil auch die Pharmaindustrie den Forschungs- und Innovationsstandort Deutschland braucht – der ja im Übrigen viel auch von Krankenhäusern getragen ist.
Viele Forschungen kommen etwa auch aus den klinischen Prozessen und aus den klinischen Forschungen heraus. Daher wäre es, glaube ich, für die Pharmaindustrie zu kurz gedacht, wenn sie jetzt weniger sparen und das dann zulasten der Kliniken geht. Denn dann könnten die Kliniken wiederum auch weniger in der Forschung mitwirken.
Preusker: Die Einsparungen, die bei den Kliniken jetzt gefordert werden, was werden diese konkret für Auswirkungen haben bzw. welche Auswirkungen erwarten Sie konkret?
Engehausen: Also, wir halten eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik grundsätzlich für machbar. Was allerdings nicht geht, ist, dass eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik mit -1 % gilt und dann weitere Kürzungen hinzukommen, etwa bei den pflegeentlastenden Maßnahmen oder weitere Bürokratie in anderen Bereichen durch einen weiteren Aufwuchs an Prüfungen, oder Belastungen durch die Kassen, etc.
Außerdem haben wir in den Kliniken die Besonderheit, dass das, was dann diese einnahmenorientierte Ausgabenpolitik ist, auch nicht als Landesbasisfall, als Erlös bei den Kliniken ankommt, sondern nochmal verhandelt werden muss. Und da gibt es dann noch einen weiteren Deckel, den sogenannten Orientierungswert. Der ist bei Inflationsschüben dann das Problem, weil er wie eine doppelte Obergrenze wirkt.
Deswegen sagen wir Kliniken, dass wir mit einer einnahmenorientierten Ausgabenpolitik mit einem zuverlässigen GKV Grundlohn -1 % klarkommen würden. Natürlich müssten wir trotzdem auch sparen und dafür bräuchten wir dann die Beinfreiheit wieder, das Personal wieder mehr nach dem medizinischen Versorgungsprinzip einsetzen zu dürfen, statt zur Sanktionserfüllung. Denn im Krankenhausbetrieb haben wir schlicht und ergreifend zu viele Nebenbedingungen zu erfüllen, die mit Sanktionen verbunden und daher fast wichtiger sind als die eigentliche Versorgung. Und davon müssen wir weg.
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